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  • birgitermeling

ADHS oder doch nicht?

Was passiert da?

Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder ohne Hyperaktivität (ADS) gibt es das überhaupt oder ist das nur eine Erfindung der Pharmaindustrie? Darüber scheiden sich die Geister. Tatsächlich wurde diese Störung vor über hundert Jahren in medizinischen Lehrbüchern das erste Mal beschrieben. Aber was passiert da genau? In unserem Gehirn sind Nervenzellen und jede dieser Nervenzellen ist über sogenannte Synapsen mit anderen Zellen im Austausch. Wir haben zirka 100 Milliarden Nervenzellen und jede Zelle hat hundert oder tausend Synapsen. Also eine ganze Menge. Diese Synapsen sind aber nicht direkt miteinander verbunden. Die Signale zwischen den Synapsen werden über sogenannte Botenstoffe transportiert. Das kann man sich so vorstellen, dass da ein Postbote hin und her läuft und die Signale übermittelt. Leider ist der Postbote ein bisschen schlampig und dreht schon zu früh um, noch bevor er alle Botschaften übermittelt hat. Das führt dann natürlich zu einem gewissen Chaos.


Wie wirkt sich das aus?

Dein Kind hat Schwierigkeiten sich zu konzentrieren, ist leicht ablenkbar, bekommt die einfachsten Dinge nicht organisiert, vergisst regelmäßig Hausübungen und kann kaum länger als ein paar Minuten stillsitzen. Dazu kommt vielleicht noch leichte Reizbarkeit oder sogar aggressives Verhalten. Dann könnte es sein, dass dein Kind eine ADHS oder ADS hat. Da die Symptome bei nicht verarbeitetem emotionalem Stress oder bei Asperger Symptom ähnlich sein können, lass das unbedingt von einer Expertin oder einem Experten abklären.


Bei ADHS sind die Lebensbereiche der Aufmerksamkeit, der Verhaltensorganisation und der Regulierung der Emotionen am meisten betroffen. Bemerkbar macht sich ADHS meistens ab einem Alter von ca. 3 Jahren. Es kann aber auch erst viel später zu Schwierigkeiten führen. Früher war man der Meinung, dass sich das auswächst. Das ist genauso ein Mythos wie die Tatsache, dass falsche Erziehung oder zu viel Zucker die Ursache für ADHS sind. Je älter betroffene Kinder werden, desto eher entwickeln sie Strategien, um die Defizite auszugleichen.


Leider ist es aber erwiesen, dass Kinder mit ADHS trotz gleicher oder höherer Intelligenz im Vergleich zu „normalen“ Kindern schlechtere Noten bekommen, eher eine Klasse wiederholen müssen, eher die Schule oder eine Ausbildung abbrechen und so langfristig benachteiligt werden. Umso wichtiger ist es, Kinder mit ADHS so früh wie möglich und so gut wie möglich zu unterstützen.


Wie kann ich mein Kind unterstützen?

Jetzt kommt zuerst die schlechte Nachricht: Betroffen ist immer die ganze Familie. Das heißt nicht, dass in einer Familie alle Mitglieder eine ADHS haben Die Chancen die Symptome gut in den Griff zu bekommen und ein entspanntes Familienleben zu führen erhöhen sich, je besser alle mithelfen und sich gegenseitig unterstützen.


Ob eine medikamentöse Behandlung hilft, musst du unbedingt mit einem Arzt klären. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Erkenntnisse dazu enorm weiterentwickelt. Ergänzend dazu oder auch allein macht eine therapeutische Begleitung auf jeden Fall Sinn. Durch genzielte Programme können in den betroffenen Bereichen der Aufmerksamkeit, der Organisation und der Emotionsregulierung gute Erfolge erzielt werden.


Optimal ist eine Therapie, in der die ganze Familie oder zumindest eine Bezugsperson mit eingebunden wird. Natürlich solltest du auch so früh wie möglich das Gespräch mit der Schule suchen. Einen Leitfaden für ein gelungenes Elterngespräch findest du hier. Oft sind auch Lehrkräfte und Therapeuten dankbar, wenn sie sich austauschen können. Je ganzheitlicher das Bild ist, desto erfolgreicher ist die Therapie.



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