top of page
Suche
  • birgitermeling

Therapie versus Pädagogik

Aktualisiert: 22. Juli 2022


Therapie versus Pädagogik – Wo ist der Unterschied?

Häufig wird mir diese Frage gestellt und jeder Versuch sie einfach zu beantworten endet mit einem – Versuch. Vertieft man sich in die Fachliteratur zu diesem Thema, befinde ich mich jedoch in guter Gesellschaft.


Sanitär versus edukativ

Eine grobe Erklärung kann sein: Therapie repariert. Das setzt voraus, dass vorher etwas kaputt war oder krank oder zumindest ein Problem besteht. Pädagogik erzieht, soll befähigen. Aber in welche Richtung? Und woher will die erziehende Person wissen, in welche Richtung erzogen werden soll? Auch immer wieder in der Literatur zu finden sind Kombinationen der beiden Begriffe wie pädagogische Therapie oder therapeutische Pädagogik, die die Sache nicht einfacher machen.


Der Keim der Wissenschaften

Beginnen wir bei den Wurzeln, bei der Entstehung. Dem Wortstamm nach beschäftigte sich die Pädagogik mit der Erziehung des Kindes, also mit der Ausbildung oder Bildung des Nachwuchses. In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden die Begriffe der Erziehungswissenschaft und der Bildungswissenschaft und die Wissenschaftlichkeit der Disziplinen zu unterstreichen. Es wurde vermehrt geforscht, reflektiert und zu einer ganzheitlichen Sicht des lebenslangen Lernens übergegangen. Die Begriffe begrenzten sich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr rein auf das Kind, sondern schlossen alle Altersgruppen mit ein.


Therapie bedeutet vom Wortstamm her etwas wie „dienen“, „behandeln“ oder „pflegen“ im Zusammenhang einer Erkrankung. Mit Hilfe einer Therapeut:in wird die Heilung durch verschiedene Maßnahmen gefördert und unterstützt.


Kann man klare Grenzen ziehen?

Ansätze, die der Pädagogik einen ganzheitlichen Ansatz zu und der Therapie denselben Anspruch absprechen, sind meines Erachtens falsch. Denkt man im Kontext der Schule, so sieht hier die Pädagogik das Kind nicht ganzheitlich als menschliches Wesen, sondern meist „nur“ die Schüler:in. Genauso wird es therapeutische Behandlungsmethoden geben, die die Erkrankung oder das Problem in den Focus stellen und nicht den Menschen als Ganzes betrachten.

Man könnte auch sagen, dass Pädagogik objektiver denkt, da sie von der Annahme ausgeht, dass mit der richtigen Methode jeder Mensch sich selbst bestmöglich entwickelt. Hingegen die Therapie sei subjektiv, da sie auf das Problem des einzelnen Menschen eingeht. Aber auch diese Theorie kommt spätestens dann ins Wanken, wenn wir feststellen, dass ein und dieselbe pädagogische Maßnahme unterschiedlich wirkt.


Spätestens bei der Heil- und Sonderpädagogik verschwimmen die Grenzen und die sich überschneidenden Bereiche werden immer größer. Ebenso im Bereich der Sozialarbeit, Sozialpädagogik und der Sozialtherapie lassen sich hier schon lange keine klaren Grenzen mehr ziehen.


Überschneidungen nutzen

Die Psychologin und Psychoanalytikerin Ruth Cohn entwickelte in den 1950er Jahren zusammen mit weiteren Therapeuten das Konzept der Themenzentrierten Interaktion, kurz TZI, deren Grundgedanke ist, einen gesunden Menschen dazu zu befähigen, sich selbst gesund zu erhalten. Die Psychoedukation ist ein wesentlicher Teil erfolgreicher Therapien. Über das Verstehen der eigenen Krankheit sollen die Heilungschancen wesentlich verbessert werden. Gerade bei psychischen Erkrankungen, zum Beispiel Angststörungen, kann Psychoedukation ein wichtiger Teil der Therapie sein.


Ernst J. Kiphard, Clown, Artist, Sportpädagoge vereinte therapeutische und pädagogische Bewegungskonzepte zur Psychomotorik. An der Klinik für Jugendpsychiatrie in Gütersloh legte er einen Grundstein zur Förderung beeinträchtigter Kinder und Jugendlicher durch therapeutische Bewegungsangebote.


838 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comentários


bottom of page